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Blutspendebotschafter auf vier Rädern – Thomas Meinert spendet und wirbt aus Überzeugung

Autorin Damaris Kriegs

von 

Damaris
,

 am 18.06.2021

Blutspenderinnen und Blutspender retten jeden Tag Menschenleben. Verbindendes Element bei einer Bluttransfusion ist dieselbe Blutgruppe, die Blutspender und -empfänger miteinander vereint. Unsere Kampagne „It’s a match!“ lässt nicht nur Lebensretter zu Wort kommen, sie gibt auch den Patienten eine Stimme und ein Gesicht, die dank Bluttransfusionen zum Beispiel einen Unfall überlebt haben oder trotz einer schweren Erkrankung wieder positiv in die Zukunft schauen können. Sie alle machen Mut und können noch mehr Menschen zum Spenden motivieren. Hier erzählen wir ihre bewegenden Geschichten.

Warum Mehrfachspender so wichtig sind

Um festzustellen, dass das Blutspenden für uns alle wichtig ist, braucht es nicht viel Fantasie: Unfälle passieren jeden Tag und die Diagnosen schwerer Krankheiten stellen von heute auf Morgen das Leben mancher Menschen auf den Kopf. Jeder heute noch gesunde Mensch könnte von einer Minute auf die andere auf die Blutspende eines Mitmenschen angewiesen sein. Um Kranke und Unfallopfer mit überlebenswichtigen Blutpräparaten versorgen zu können, werden viele freiwillige Blutspender benötigt, die idealerweise regelmäßig Blut spenden.

Aus Altersgründen scheiden jedes Jahr regelmäßige Blutspender aus. Die Altersgrenze ist im Versorgungsgebiet der Blutspendedienste Baden-Württemberg – Hessen und Nord-Ost mit 72 Jahren erreicht. Ab dem 73. Geburtstag ist also keine Blutspende mehr möglich. Zwar kommen auch immer wieder Neuspender hinzu, aber es braucht gleich mehrere neue Blutspender, um einen sogenannten Mehrfachspender zu ersetzen, der regelmäßig drei bis sechsmal im Jahr Blut gespendet hat. Denn nicht jeder, der zum ersten Mal gespendet hat, wird danach auch zum regelmäßigen Blutspender. Auf unseren Spendeterminen tun wir alles dafür, unseren Erstspendern den Aufenthalt und die Erfahrung so angenehm wie möglich zu machen. Entscheidet sich dann aber jemand, nicht weiterhin Blut zu spenden, so kann das ganz individuelle Gründe haben. Auf jeden Fall zeigt es, wie wichtig Mehrfachspender sind. Sie engagieren sich über Jahrzehnte hinweg regelmäßig freiwillig und unentgeltlich für die Blutspende und sind gemeinsam mit den vielen ehrenamtlichen Helfern vor Ort wichtige Unterstützer bei der Sicherstellung der Blutversorgung.

Was motiviert einen Menschen, sich mit so vielen Blutspenden solidarisch für andere einzusetzen? Wir haben mit Thomas Meinert aus dem Zollernalbkreis gesprochen, der mit 52 Jahren bereits 267 unentgeltliche Blut- und Plasmaspenden beim Roten Kreuz geleistet hat.

„Wenn andere das schaffen, kann ich das auch“

Auf das Thema Blutspende kam Thomas über seinen Vater: Dieser besuchte seinen ersten Spendetermin, um seine Blutgruppe zu erfahren und blieb dem Roten Kreuz daraufhin als regelmäßiger Blutspender treu. Thomas hatte als Kind panische Angst vor Spritzen und konnte es kaum fassen, dass sich bei den Blutspendeterminen Menschen „freiwillig eine dicke Nadel in den Arm stechen lassen“. Als Jugendlicher dachte er sich dann: „Wenn andere das schaffen, kann ich das auch“ und beschloss, mit 18 selbst Blut spenden zu gehen.

Thomas Meinert spendet gerne Blut.

Beim seinem ersten Anlauf klappte es nicht mit der Blutspende, Thomas wurde zurückgestellt, ließ sich davon aber nicht beirren und leistete schließlich noch vor seinem 19. Geburtstag seine Erstspende: „Ich wurde zur Spende zugelassen, habe gemerkt, dass die Venenpunktion gar nicht weh getan hat, und war stolz darauf, mit meiner Spende Lebensretter geworden zu sein.“ Von da an beschloss er, regelmäßig Blut zu spenden.

Seine Motivation hat sich dabei im Laufe der Jahre geändert: Aus dem persönlichen Ansporn „es zu schaffen“ wurde der Wunsch und der Wille, anderen zu helfen – Lebensretter zu sein – und dabei gleichzeitig noch etwas für die eigene Gesundheit tun. Was Thomas aber auch jedes Mal neu motiviert ist die Erkenntnis, in weniger als fünf Minuten einen halben Liter Blut zu verlieren. „Wenn ich mir vorstelle, wieviel Blut dann ein Verletzter verlieren kann, der auf das Eintreffen des Rettungsdienstes warten muss, ist das für mich ein Grund mehr zu spenden.“

Familiäre Atmosphäre und Verbundenheit bei den Blutspendeterminen

Neben dem Aspekt, mit der Blutspende Leben zu retten, gefällt Thomas auch die angenehme Atmosphäre bei den Blutspendeterminen. Besonders bei seinen Spenden im Institut, die zu einem gemeinsamen Familienausflug für ihn und seine Eltern wurden, traf er immer bekannte Gesichter. Aber auch auf den mobilen Terminen, bei denen meist die regionalen DRK-Ortsvereine aushelfen, herrscht eine besondere Stimmung. Zusätzlich motiviert es den 52-Jährigen, dass er immer wieder ehrenamtliche Helfer sieht, die selbst die Gelegenheit nutzen und vor Ort Blut spenden: „Das gibt einem ein Gefühl der Verbundenheit“. Eine besonders schöne Anekdote möchte er auch mit uns teilen: Irgendwann zwischen seiner 30. und 40. Spende wurde Thomas von einer Helferin aus dem Ehrenamts-Team für seine vielen Blutspenden gelobt. Seine Gegenfrage, ob sie auch Blut spenden würde, hat sie verneint. Auf einem späteren Blutspendetermin haben sich die beiden wiedergetroffen. Dort berichtete sie ihm dann stolz, dass sie sich überwunden habe und nun selbst zur Blutspenderin geworden sei.

Die hohe Spendenzahl ist nicht das Ziel, sondern ein Nebeneffekt

Rein rechnerisch hat Thomas mit seinen Spenden schon alle Einwohner seines kleinen Wohnortes mit Blutpräparaten versorgt. Denn Vollblutspenden werden im Anschluss an die Blutspende im Labor in ihre drei Hauptbestandteile aufgeteilt: rote Blutkörperchen (Erythrozyten), Blutplättchen (Thrombozyten) und das Plasma. Dadurch ist es möglich, mit einer Blutspende bis zu drei Menschen zu helfen.

Neben der Vollblutspende ist es auch möglich, in ausgewählten DRK-Blutspendeinstituten direkt Thrombozyten und Plasma zu spenden. Dazu entschied sich Thomas Mitte der 90er Jahre und zwar als sogenannter „Versuchsspender“ – hier wurden beispielsweise die Entnahmetechniken optimiert. Damals waren die direkten Thrombozyten- und Plasmaspenden noch unentgeltlich und wurden daher für die Gesamtspendenanzahl mitgezählt. So kam Thomas auf die für sein Alter verblüffende Anzahl von insgesamt 267 Spenden. Denn Blutplasma kann man wesentlich öfter spenden, als das Vollblut. Jährlich sind aktuell bis zu 60 Plasmaspenden möglich.

Mittlerweile spendet Thomas fast ausschließlich Vollblut. Plasmaspenden können nicht auf mobilen Spendeterminen abgegeben werden, da diese zeitintensiver und nur mit großen Geräten möglich sind. Mit den Vollblutspenden spart Thomas sich die lange Fahrzeit ins nächste Blutspendeinstitut.

Thomas geht es nicht um die Ehrungen, die man für ein so regelmäßiges Engagement vom Blutspendedienst erhält. Diese seien aber ein schönes Zeichen von Wertschätzung und vor allem am Anfang ein zusätzlicher Anreiz. Als routinierter Spender sieht er das ganz pragmatisch: „Solange ich Blut spenden darf und kann, sehe ich keinen Grund, es nicht zu tun. Dass so im Laufe der Zeit eine beträchtliche Spendenzahl zusammenkommt, ist nicht mein Ziel, sondern ein natürlicher Nebeneffekt.“

Blutspendebotschafter auf vier Rädern

Thomas ist nicht nur selbst begeisterter Blutspender, sondern sensibilisiert auch gerne für das Thema. Mit anderen Leuten kommt Thomas schnell ins Gespräch über die Blutspende, zum Beispiel, wenn er zu besonderen Anlässen seine Blutspende-Ehrennadel trägt. Auch die kleinen Dankeschön-Geschenke, die sich mit der Zeit ansammeln, fallen auf – wie zum Beispiel seine Blutspende-Armbanduhr. Aber dann ist da auch noch eine ganz andere Sache, mit der Thomas fleißig Werbung macht: sein Auto. Da er im Zulassungsbezirk Balingen wohnt, konnte er sich sein Wunschkennzeichen mit aktueller Spendenzahl sichern und fährt nun: BL UT

Thomas‘ Begeisterung für die Blutspende und seine Idee, die Blutspende mobil sichtbar zu machen, fanden wir so klasse, dass wir ihm eine streng limitierte Blutspende-Kennzeichenhalterung zukommen lassen haben.

Mit seinem Auto macht Thomas fleißig Werbung für die Blutspende.

3 Botschaften an unsere Leser

Zum Abschluss haben wir Thomas gefragt, was ihm an Informationen für unsere Leser besonders wichtig ist. Hier seine Ratschläge:

  • Lasst euch nicht entmutigen, wenn es an einem Tag mit der Blutspende einmal nicht klappt.
  • Kleiner Einsatz mit großer Wirkung. Was für den Spender ein unspektakulärer Vorgang ist, kann für den Empfänger und dessen Familie eine Welt verändern, nämlich dann, wenn ein Menschenleben von der Verfügbarkeit einer Blutkonserve abhängt.
  • Jede Spende zählt und hilft. Erstspender müssen nicht jung sein – es ist bis zum 65. Geburtstag nicht zu spät: Wenn ein Mann z.B. mit 50 anfängt und bis zum Erreichen der Altersgrenze fünfmal pro Jahr Blut spendet, könnte er über 100 Blutspenden schaffen. Aber auch, wenn es nicht mehr so viele werden: jede Spende zählt!

 

Finde Thomas und weitere Blutspender sowie -empfänger auf unserer digitalen Pinnwand: https://blutspende.de/itsamatch/stories

Du möchtest deine Geschichte mit uns teilen? Wir freuen uns auf deine Nachricht über unser Kontaktformular: https://blutspende.de/itsamatch/werde-teil

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Autorin Damaris Kriegs
Damaris

Damaris kocht gerne und mag Brettspiele, aber noch lieber ist sie an der frischen Luft unterwegs oder auf Konzerten und Festivals.

Mitarbeiterin Öffentlichkeitsarbeit

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