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Von 100 auf Null – und zurück

Kerstin, Autorin digitales Spendermagazin

von 

Kerstin
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 am 15.03.2021

Von 100 auf Null – und zurück: Tanzlehrerin Maria aus Cottbus kämpft sich nach Stammzelltransplantation zurück ins Leben

Blutspenderinnen und Blutspender retten jeden Tag Menschenleben. Verbindendes Element bei einer Bluttransfusion ist dieselbe Blutgruppe, die Blutspender und -empfänger miteinander vereint. Unsere Kampagne „It’s a match!“ lässt nicht nur Lebensretter zu Wort kommen, sie gibt auch den Patienten eine Stimme und ein Gesicht, die dank Bluttransfusionen zum Beispiel einen Unfall überlebt haben oder trotz einer schweren Erkrankung wieder positiv in die Zukunft schauen können. Sie alle machen Mut und können noch mehr Menschen zum Spenden motivieren. Hier erzählen wir ihre bewegenden Geschichten.

 

Maria Hennig in der Tanzschule Daniel Kara

Im August 2019 drehte sich das Leben von Maria um 180 Grad. „Von 100 auf Null hat sich das angefühlt“, sagt die heute 25jährige Tanzlehrerin aus Cottbus. „Sonst war ich 24/7 die Woche in Bewegung“, erzählt Maria bei unserem Treffen an ihrem Arbeitsplatz in der Cottbuser Tanzschule Daniel Kara. Von einem Tag auf den anderen ging gar nichts mehr. Die Diagnose lautet: akute Leukämie. Nachdem ihr bei einem Tanzkurs mit Senioren schwarz vor Augen geworden war, ging Maria zu ihrer Hausärztin. Kreislaufprobleme, Kopfschmerzen und große blaue Flecken am Körper hatte sie nicht ernst genommen. Für Maria folgte eine unglaublich schwierige Zeit, in der die an sich schon schlimme Diagnose Leukämie erst der Anfang einer Abfolge von ungeheuren Belastungen und Erfahrungen sein sollte. Was ist passiert?

Zwei lebensbedrohliche Situationen hat Maria seit ihrer Erkrankung überstanden

Zunächst wurde die Leukämie erfolgreich mit einer Chemotherapie behandelt. In dieser Zeit erhielt sie erstmals auch aus Spenderblut hergestellte Blutpräparate. Während der Chemotherapie kam es jedoch zu Komplikationen, Maria fiel ins Koma, musste reanimiert werden und wurde in dieser lebensbedrohlichen Situation in das Vivantes Krankenhaus in Berlin geflogen. Dort konnte sie auf der Intensivstation stabilisiert werden. „Als ich aus dem Koma erwachte, stand aber fest, dass die Ärzte mein linkes Bein amputieren müssen, um mein Leben zu retten“, erinnert sich Maria. „Das war schon eine ziemlich unwirkliche Situation“.

Nachdem sie auch das überstanden hatte, war schnell klar, dass die Grunderkrankung Leukämie noch nicht überwunden war. Die Ärzte rieten zu einer Stammzelltransplantation, um Rückfälle zu vermeiden. Relativ schnell war ein passender Spender für Maria gefunden und im April 2020 wurden ihr die Stammzellen transplantiert. Dies alles passierte in einer Zeit, die durch die Corona-Pandemie sowieso schon sehr angespannt war. Über die sozialen Netzwerke war sie mit allen im Kontakt, dennoch hat ihr das Besuchsverbot direkt nach der Transplantation psychisch sehr zugesetzt. „Das ist echt schwer gewesen“.

Stammzellen eines anonymen Spenders halfen der jungen Frau

Denkt sie manchmal an den Spender oder die Spenderin der lebensrettenden Stammzellen? In Deutschland bleibt die Anonymität für 2 Jahre nach der Transplantation gewahrt, erst dann dürfen sich Spender und Empfänger kennenlernen, wenn beide das wünschen. Das ist gesetzlich so vorgesehen. „Erst einmal habe ich jetzt durch die Transplantation eine neue Blutgruppe, von Null positiv auf B positiv, das ist zumindest ein Hinweis auf den Spender, von dem ich bisher nur weiß, dass es er/sie aus Berlin stammt und 49 Jahre alt ist“.

Doch für Maria heißt es jetzt erst einmal Konzentration auf das Leben nach der schwierigen Zeit, deshalb findet sie die Regelung in Ordnung. 

Seit Juni 2020 ist sie wieder zuhause und kämpft sich Schritt für Schritt ins Leben zurück. Auch dank der großen Unterstützung ihrer Familie, der Kollegen und Freunden aus der Tanzschule und ihren Kurs-Teilnehmerinnen und -Teilnehmern ist sie bisher gut durch diese schwere Phase gegangen. „Ich bin ein sehr realistischer Mensch, ich habe auch viel geheult, bringt jetzt aber auch gar nichts, wenn ich heule“, sagt sie und denkt lieber schon über neue Choreographien nach.

Maria Hennig ist eine Frau von Format, die sich auch in den dunkelsten Momenten nicht unterkriegen ließ und mit großer Gefasstheit und einer guten Portion Optimismus ihr Leben wieder in die Hand nimmt. Dass Maria bei unserem Treffen in der Tanzschule gerade einmal seit wenigen Wochen wieder gehen kann, merkt man der jungen Frau gar nicht an. Aus Forst, wo sie momentan wieder bei der Familie lebt, sei sie mit dem Auto gekommen und das ungewohnte Laufen mit der neuen Beinprothese lernt sie auch gerade erst seit kurzem. „Früher habe ich andere zur Bewegung motiviert, jetzt muss ich mich eben selber motivieren. Sobald ich fehlerfrei und sicher ohne Stützen laufen kann, bin ich wieder dabei.“

 

Blick nach vorne

Maria Hennig und Daniel Kara

Auch ihr Chef Daniel Kara, dem die Tanzschule in Cottbus gehört, steht hinter Maria. Beide sind eng befreundet und für Daniel Kara steht fest: “Es ist klar, dass das jetzt nur eine Pause ist. Wenn Maria so weit ist, wartet hier ihr Arbeitsplatz auf sie“. Er selbst und Kollegen haben Marias Kurse übernommen, inzwischen hat sie sogar noch im Rollstuhl am Training teilgenommen.

Tanzschule Daniel Kara Cottbus

Maria Hennig möchte gern anderen Menschen zeigen, wie wichtig Blutspenden und eine Typisierung als Stammzellspender von gesunden Menschen für Patienten wie sie sind. Zwei Blutspendeaktionen, die der DRK-Blutspendedienst bisher in der Tanzschule Daniel Kara durchführen konnte, hat sie bereits unterstützt. Dabei konnten sich auch alle BlutspenderInnen als mögliche Stammzellspender typisieren lassen. „Meine Mama ist auch gleich Blut spenden gegangen“, sagt die junge Frau. „Man vergisst öfters, worauf es ankommt im Leben. Blutspenden ist das einfachste, was man im Leben tun kann“, sagt Maria, steht auf und geht vorsichtig zum Fotoshooting mit Daniela Kara in den Tanzssal hinüber.

Weitere Informationen findest Du hier!

Weitere Informationen zur Blutspende unter www.blutspende.de und unter der kostenfreien Hotline 0800 11 949 11.

Informationen zur Stammzellspende unter www.stammzellspenderdatei.de und unter der kostenfreien Hotline 0800 1004066

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Kerstin, Autorin digitales Spendermagazin
Kerstin

Das Thema Blutspende hat so viele interessante Facetten, wir stellen sie hier vor.

Pressesprecherin DRK-Blutspendedienst Nord-Ost, Standort: Berlin

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