Eine Frau hält sich den Hals, welcher um die Gegen der Schilddrüse rot hervorgehoben ist

Blutspende mit Hashimoto und anderen Schilddrüsenerkrankungen

Autorin Damaris Kriegs

von 

Damaris
,

 am 20.10.2021

Die Schilddrüse ist ein kleines Organ, das nicht unterschätzt werden darf: Sie spielt im Stoffwechsel des menschlichen Körpers eine entscheidende Rolle. Aus diesem Grund ist eine Blutspende mit Schilddrüsenerkrankungen nicht immer möglich. Über unsere kostenfreie Hotline (0800-11 949 11) könnt ihr abklären, ob eine Blutspende für euch infrage kommt oder nicht. Einen ersten Überblick über die Blutspende mit Hashimoto und anderen Schilddrüsenerkrankungen geben wir euch hier.

Die Schilddrüse und Ihre Funktion

Die Schilddrüse ist im Hals um unseren Kehlkopf herum platziert. In ihr bildet der Körper aus Jod und anderen Substanzen die Schilddrüsenhormone Trijodthyronin (T3) und Tetrajodthyronin (Thyroxin oder auch T4). Diese Botenstoffe sind Bestandteile eines hormonellen Regelkreises und steuern fast alle wichtigen Körperfunktionen: Sie wirken auf die Herzaktivität, erweitern die Blutgefäße und regeln den Blutdruck. Schilddrüsenhormone aktivieren aber auch den Fett- und Eiweißstoffwechsel, die Schweiß- und Talgdrüsen der Haut und die Nieren, sowie die Darmtätigkeit. Auch sind sie wesentlich für viele Wachstumsprozesse verantwortlich, zum Beispiel auch für das Wachstum von Haut, Haaren und Nägeln. Außerdem werden Gehirnaktivität und Psyche von dem kleinen Organ beeinflusst, es ist also auch ein echter Stimmungsmacher.

Umso leichter kann man sich vorstellen, dass Erkrankungen der Schilddrüse weitreichende Auswirkungen haben können. Auf die häufigsten Krankheitsbilder gehen wir im Folgenden kurz ein.

Erkrankungen der Schilddrüse

Bei einer Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) produziert der Körper zu viele Schilddrüsenhormone. Der Körper läuft dann auf Hochtouren, was langfristig nicht gesund ist und sich durch eine Vielzahl von Symptomen zeigen kann. Dazu zählen unter anderem Nervosität und innere Unruhe, Durchfall und eine auffällige Gewichtsabnahme, Stimmungsschwankungen, Schlafstörungen sowie warme Haut und vermehrtes Schwitzen. Sie kann durch eine reduzierte Jodaufnahme über die Nahrung beeinflusst werden oder mit thyreostatischen Medikamenten (sogenannte Thyreostatika, z.B. Thiamazol, Carbimazol) behandelt werden. Diese hemmen sehr effektiv die Produktion und Freisetzung von Hormonen durch die Schilddrüse. Bei Einnahme solcher Medikamente darf allerdings kein Blut mehr gespendet werden.

Die Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) bedeutet eine zu niedrige Produktion von Schilddrüsenhormonen. Sie zeigt sich beispielsweise durch Symptome wie Antriebsmangel und Desinteresse, Konzentrationsstörungen, Appetitlosigkeit und Verstopfung, Gewichtszunahme, stumpfe Haare und Kälteempfindlichkeit. Eine gesteigerte Jodaufnahme über die Nahrung kann die Produktion der Schilddrüsenhormone unterstützen. Alternativ können die Hormone in Form von Tabletten verschrieben werden (z.B. L-Thyroxin). Normalerweise kann bei einer Schilddrüsenunterfunktion ohne Entzündung des Organs Blut gespendet werden.

Neben den Fehlfunktionen kommen seltener auch Schilddrüsenentzündungen (Thyreoiditis) vor. Die häufigste Form davon ist die Hashimoto-Thyreoiditis. Bei dieser Autoimmunerkrankung werden Antikörper gegen Teile der Schilddrüse gebildet, wodurch eine Entzündungsreaktion ausgelöst wird. Im Krankheitsverlauf kommt es zur Zerstörung der Schilddrüse und dadurch zu einer Schilddrüsenunterfunktion. Aber: Durch die Organzerstörung können kurzfristig auch größere Mengen der Schilddrüsenhormone freigesetzt werden, wodurch Symptome der Schilddrüsenüberfunktion auftreten. Eine engmaschige Überwachung und die entsprechende Medikation sind erforderlich. Eine Blutspende ist für Hashimoto-Patienten bedingt möglich, hier ist unbedingt eine Abklärung mit unserem Ärzteteam nötig. Gut ist es, wenn ihr schon zum Blutspenden ein Attest eures behandelnden Arztes mitbringt, aus dem die Art der Erkrankung und eventuell einzunehmende Medikamente hervorgehen.

Eine weitere Autoimmunerkrankung ist der Morbus Basedow. Auch hier bildet der Körper Antikörper gegen bestimmte Teile der Schilddrüse (TSH-Rezeptoren). Dadurch kommt es zum Wachstum und zur vermehrten Hormonproduktion der Schilddrüse – es stellt sich eine Schilddrüsenüberfunktion ein und es kann zu einer Schwellung der Schilddrüse kommen. Zur medikamentösen Behandlung werden oft wie bei einer Überfunktion Thyreostatika eingesetzt – Blut spenden ist während des Entzündungsprozesses und der Einnahme von thyreostatischen Medikamenten nicht möglich.

Das Modell einer Schilddrüse liegt neben meidizinischen Utensilien auf dem Tisch
Die Schilddrüse ist ein kleines schmetterlingsförmiges Organ, im gesunden Zustand misst sie nur circa 5 Zentimeter. Das Bild zeigt sie im Größenvergleich mit einem Stethoskop.

Außerdem kann die Schilddrüse sich verändern, zum Beispiel bei anhaltendem Jodmangel. Sie wächst, mit dem Ziel, den Mangel auszugleichen. Diese Schilddrüsenvergrößerung nennt man Struma (Kropf). Bei einem Kropf kann die gesamte Schilddrüse vergrößert sein, es können sich aber auch ein oder mehrere Knoten in der Schilddrüse bilden. All diese Veränderungen können, müssen aber nicht zu einer Schilddrüsenüber- oder -unterfunktion führen. In einigen Fällen hat die Vergrößerung keine weiteren Auswirkungen. Je nach Krankheitsbild und Behandlung kann Blut gespendet werden oder nicht. Auch hier ist es wichtig, ein Attest zum Krankheitsbild, der durchgeführten Diagnostik und der einzunehmenden Medikamente vom behandelnden Arzt mitzubringen.

Eventuell kann in diesem Fall nicht sofort Blut gespendet werden, sondern der Arzt vor Ort nimmt das Attest entgegen und stellt euch vorläufig zurück. Ihr bekommt dann in den Folgetagen des Blutspendetermins einen Brief aus einem der Institute, in welchem euch klar gesagt wird, ob und ggf. wann ihr zum Blutspenden kommen könnt.

Ist Blutspenden mit Schilddrüsenkrankheiten möglich oder nicht – ein Überblick:

Mit einer unentzündlichen Schilddrüsenunterfunktion unter der Einnahme von Hormonen (z.B. L-Thyroxin) darf in der Regel Blut gespendet werden.
Bei einer Schilddrüsenüberfunktion, die mit entsprechender thyreostatischer Medikation (z.B. Thiamazol, Carbimazol) behandelt wird, ist das Blutspenden leider nicht möglich.
Das gilt jeweils auch für Thrombozyten- und Plasmaspenden in unseren DRK-Blutspendeinstituten.
Während eines aktiven Entzündungsprozesses der Schilddrüse darf kein Blut gespendet werden. Falls also eine Autoimmunerkrankung wie Hashimoto oder Morbus Basedow vorliegt, muss im Einzelfall nach aktuellem Befund entschieden werden. Spendewillige können je nach Medikamenten-Einnahme zur Spende zugelassen werden, sofern ein aktueller ärztlicher Befund vorliegt, in dem bestätigt wird, dass kein aktiver Entzündungsprozess mehr besteht.

 

Zusammenfassung: Blutspende mit Schilddrüsenerkrankungen

Wie ihr seht, gibt es ganz unterschiedliche Krankheitsverläufe und Ursachen. Die Schilddrüse ist ein verhältnismäßig kleiner Bestandteil unseres Körpers, dessen Funktion aber weitreichende Auswirkungen haben kann. Wir können hier nur einen kleinen Abriss zum Thema Blutspende und Schilddrüsenerkrankungen geben.

Weiterführende, detaillierte Informationen zur Schilddrüse findet ihr zum Beispiel auf der Website des Deutschen Schilddrüsenzentrums oder im Forum Schilddrüse.

Ob ihr mit einer Schilddrüsenerkrankung Blut spenden dürft, bedarf einer individuellen Abklärung. Gerne besprechen wir mit euch, ob eine Spende für euch möglich ist oder nicht. Meldet euch dazu einfach über unsere kostenfreie Hotline zur Abklärung: 0800-11 949 11 oder sendet eine Mail an info@blutspende.de.

Ihr nehmt andere Medikamente ein und wollt wissen, was dabei zu beachten ist? Dann kann ein Blick in unseren Artikel Darf ich Blut spenden, wenn ich Medikamente nehme? hilfreich sein.

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Autorin Damaris Kriegs
Damaris

Damaris kocht gerne und mag Brettspiele, aber noch lieber ist sie an der frischen Luft unterwegs oder auf Konzerten und Festivals.

Mitarbeiterin Öffentlichkeitsarbeit

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